Ikigai – für unsere innere Kondo

Aktualisiert: März 29

Gelegenheitsjob. Auslandsaufenthalt. Uniabschluss. Praktika. Berufseinstieg im Weltkonzern. Wir sind ambitioniert, motiviert, haben Lust, uns einzubringen. Doch etwas stimmt nicht, etwas fehlt. Zunächst spüren wir es subtil, bloss ein leichtes Ziehen in der Magenregion. Dann immer stärker; die Stimme des Bauchgefühls. Wir hören diese Stimme immer lauter flüstern.

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Wir schenken dieser Stimme Gehör und versuchen in unsere perfekte Balance zu kommen. In die Balance von Kopf und Bauch. Das Irrwitzige ist ja, dass wir mit unseren To-dos, getrimmten Körpern und meditierten Geistern das Leben im Griff haben. Vermeintlich.


Doch schnürt uns dieses selbsterlegte Korsett nicht die Luft ab? Die Luft zum Leben? Ist es nicht schöner dem Sinn – oder teilweise auch dem Unsinn – des Lebens wieder etwas mehr Luft zu geben? Mehr Freiheit? Nachdem Marie Kondo im letzten Jahr unsere Wohnungen aufgeräumt hat, bringt die Methode „Ikigai“ endlich innere Ordnung! Ganz ohne Stress und ganz in Balance. Was auch immer Balance für das eigene Leben heissen mag. Denn das entscheiden wir. Für den einen ist das eine 60-Stunden-Woche im Grossunternehmen und der Töpferkurs am Abend und für den anderen das kreative Gewusel im (eigenen) Start Up sowie die Yoga-Einheit in der Mittagspause. Das Gleichgewicht des Lebens ist ganz persönlich. Das Schaubild der individuellen Perfektion. Wie wir es finden? Mit Ikigai.

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Iki- bitte was?! Ikigai ist eine japanische Methode und heisst soviel wie „Lebenssinn“ oder etwas freier ausgedrückt „Etwas, für das es sich lohnt, am Morgen aufzustehen“. Um zu unserem Ikigai zu finden, beantworten wir vier Fragen: Was liebst du? Worin bist du grossartig? Für was kannst du bezahlt werden? Was braucht die Welt? Diese Fragen scheinen simpel, zusammenhangslos und zuweilen beinahe etwas banal. Doch was, wenn wir versuchen, diese Fragen wirklich zu beantworten? „Was liebst du?“ und nicht „Was magst du?“; „Worin bist du grossartig?“ und nicht „Worin bist du besser als andere?“. Und ja, wir können für Dinge bezahlt werden, die wir für ganz selbstverständlich nehmen und noch dazu die Welt ein Stück besser machen. Jede einzelne Antwort auf diese vier Fragen bringt uns unserem ganz persönlichen Ikigai näher.


Ein fiktives aber gängiges Beispiel aus unserem Coaching-Alltag mit Ikigai: Laura, 28 Jahre jung, ist eine engagiert, selbstbewusste Frau, arbeitet im Controlling einer internationalen Bank und geht zum Ausgleich ins Spinning. Doch Laura merkt seit längerem, dass ihr „irgendwie etwas fehlt“. Was dieses „Etwas“ ist, kann sie nicht in Worte fassen. Sie hat doch ein buntes und erfülltes Leben, oder? Was sie dennoch immer wieder spürt, sind die Momente des wahrhaftigen Glücks – nicht in ihrer Arbeit mit Excel und Zahlen, sondern viel mehr im Gespräch mit anderen Menschen. Menschen vertrauen Laura ihre grössten Ängste und tieften Träume an und kommen zu ihr, wenn sie einen Lebensrat brauchen. Laura erinnert sich an ihre Schulzeit und daran, dass sie schon damals „die gute Seele“ unter ihren Klassenkameraden gewesen ist. Laura ist grossartig darin, anderen zuzuhören und sich in sie hinein zu fühlen. Laura liebt es, Lösungen zu finden und damit für jeden die Welt ein kleines Stück zu verbessern. Laura möchte diese Fähigkeit mehr leben.


Dem eigenen Ikigai und somit Lebenssinn zu folgen bedeutet nicht gleich, dass wir den Job kündigen und eine 180 Grad Kehrtwende machen müssen. Teilweise reicht es auch schon, uns im Alltag bewusster zu sein, was wir brauchen, um unsere ganz individuelle Balance zu leben. Folge deinem Bauchgefühl! Du bist glücklich, wann immer du die Sonnenstrahlen auf deiner Haut spürst? Mache deine Mittagspause doch draussen im Park oder suche dir im Büro einen Schreibtisch am Fenster mit viel Sonnenlicht. Wir wissen, wo unsere Momente des Glücks liegen – wir müssen sie nur wieder mehr leben und endlich unser Korsett ablegen. Schritt für Schritt. Und wenn der erste Schritt erst getan ist, dann geht sich der zweite schon viel leichter. Und der dritte. Denn das, wofür es sich lohnt, am Morgen aufzustehen, kannst du nur leben, wenn du ihm Raum schaffst. In dir.

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